Banken im Wandel – oder wenn Facebook plötzlich eine Bank ist…
Banken im Wandel – oder wenn Facebook plötzlich eine Bank ist…

Seit einiger Zeit kann man über Facebook sogenannte e-Wallets für diverse Zusatzprogramme wie z.B. für Spiele kaufen.

Und was, wenn Facebook plötzlich eine Bank ist?

Aber von Anfang: E-Wallet ist ein Microbilling-System – eine elektronische Geldbörse – die z.B. über PayPal mittlels Kreditkarte immer wieder aufgeladen und zum Kauf von Online-Dienstleistungen (z.B. bei stern.de) verwendet werden kann, ohne jedesmal gleich die Kreditkarte zücken zu müssen.

Ein Klick reicht und der Betrag ist beim Verkäuer der Ware oder der Dienstleistung gutgeschrieben. Ziemlich einfach, oder?

Sind Mikrokredite der Weg zur Web 2.0-Bank?

Nun gibt es bekannterweise den Nobelpreisgewinner und Banker Muhammad Junus. Der Ökonomieprofessor aus Bangladesch hat die Grameen-Bank gegründet und damit das Elend dieser Welt effektiver bekämpft als unzählige andere Entwicklungsexperten. Seine Bank (Social Bank?) vergibt Kleinkredite an die Armen und verschafft damit denen, die sonst nirgends als kreditwürdig gelten, ein Startkapital und die Chance auf ein besseres Leben.

Junus vergibt Kredite ausschliesslich an Frauen, da sie ihre Schulden nach dem “Gesetzt der Ehre und des Stolzes” – im Gegenatz zu den Herren – wirklich zeitgerecht begleichen. Sollte eine Frau ihre Schuld nun nicht begleichen, wird sie in ihrem sozialen Umfeld offenbar ihr Gesicht verlieren und wird vielleicht verachtet oder sogar ausgeschlossen.

Ist eine solche soziale Regulierung ein möglicher Ansatz, das Kreditausfallrisiko besser einzuschätzen, als es die gängigen Abklärungen der Banken bis anhin tun? Wahrscheinlich nicht. Schliesslich wollen in der westlichen Welt auch Männer Kredite bekommen. Auch wird der soziale Umgang untereinander nicht zwingend vergleichbar sein. Dennoch ist die Idee von “Social Banking” durchaus interessant und kann vielleicht in einer Form adoptiert werden.

Ist Social-Banking bei uns eine adapierte Form?

Social-Banking ist ein sehr weit gefasster Begriff. Bedeutet es nun den sozialen Umgang mit den Stakeholders im Sinne von “Fair Banking”, Transparenz gegenüber den Kunden sowie nachhaltige Wertschöpfung? Oder bedeutet der Begriff Social-Banking das schlichte Einbinden von Social-Media-Diensten um ihre Dienstleistung noch breiter und “moderner” zu kommunizieren, um in der öffentliche Meinung als “innovative Bank” zu gelten? Die Antwort überlasse ich gerne jedem Einzelnen.

Nun gibt es heute westliche Finanzdienstleister, welche Social-Media-Dienste nicht bloss als fixen Bestandteil ihrer Kommunikation einsetzen – wie z.B. die Deutsche Bank -, sondern auch den sozialen Moment mit Mehrwert ergänzen. Nachfolgend einige interessante Beispiele.

Triodos Bank – echte Nachhaltigkeit?

Um in einer Nische tätig sein zu können und damit auch Geld zu verdienen, bedarf es einer stichhaltigen und einfachen Idee, die ebenso einfach zu transportieren ist. Schlicht ein klares Alleinstellungsmerkmal (USP), welches durch das Unternehmen auch vorgelebt und aufgezeigt wird – über Jahre. So entsteht Vertrauen.

Die Triodos Bank besetzt aus meiner Sicht eine solche Nische und dies scheinbar mit Erfolg. So setzen sie Social-Media-Dienste gekonnt für ihr Anliegen ein. Es kann durchaus sein, dass die Masse an User mit anhaltenden “Bad News” anderen Banken (Boni, Abzocker etc.) dafür sorgen wird, dass die Triodos Bank plötzlich viele neue Kunden und “Online-Freunde” bekommen wird.

SmartyPig – Simple & Smart oder bloss Werbesprüche?

SmartyPig vergibt keine Kleinkredite, sondern macht Träume wahr (O-Ton SmartyPig). Die Idee ist aber bestechend: Ich eröffne einfach und schnell ein Sparkonto, um auf einen persönlichen Wunsch hin zu sparen wie z.B. eine neue Wohnungseinrichtung oder eine lange Reise durch die Welt.

Diesen Wunsch teile ich mit meiner Community wie Facebook, Twitter & co.

Meine Freunde können nun an meinem Traum teilnehmen, indem sie einen Betrag dafür einzahlen – in der Regel über ein Microbilling-System wie PayPal. Ein Klick und meine Spende ist auf dem Konto des Empfängers – ohne jede “klassiche Bank” im Prozess.

Es erklärt sich beinahe von selbst, dass SmartyPig die grossen Social-Media-Dienste nicht nur sehr gut eingesetzt, sondern auch vorbildlich pflegt. Die Facebook-Fanpage zum Beispiel zählt über 3000 Fans und über ihrem Twitter-Account folgen knapp 5’500 Followers – dies sind beachtliche Zahlen im Verhältnis zur Grösse dieser Bank.

Fidor Bank – Banking mit Freunden. Geht das?

Die deutsche Fidor Bank gilt als eine 2.0-Vorreiterin im deutschen Sprachraum. User der Community bewerten Anlagen oder geben Tipps zu Anlagestrategien – und dies im öffentlichen Raum. Transparenter geht es eigentlich nicht. Ganz nebenbei bekommen Kunden Geld für ihre Online-Aktivitäten.

Hier ein Video zum Prinzip der Fidor Bank und wie sie, nicht zuletzt mit Hilfe von Social Media, Vertrauen aufbauen will.

Noa Bank – wirklich die andere Bank?

Die Noa Bank hat es als junge Bank nicht einfach – insbesondere nach einem kritischen Bericht in einer auflagenstarke, deutschen Zeitschrift. Zyniker könnten nun sagen, dass dies endlich ein Moment ist, wo sich die Unternehmenskommunikation nicht nur beweisen kann und auch muss, sondern dass sie nun auch wirklich arbeiten müssen. Ich zähle mich nicht zu den Zyniker.

Das Prinzip der Noa Bank ist meines Erachtens ähnlich wie das Prinzip der Triodos Bank: Sie wollen nachhaltig sein, das lokale Gewerbe unterstützen und absolut transparent sein. Laut Noa Bank die andere Bank.

Diese Herausforderung, das Vertrauen von Kunden zu gewinnen, setzt die Noa Bank gekonnt mit Social-Media-Diensten in Szene. Nebst ihrem Blog pflegen sie einen Facebook- und Twitter-Account.

Insbesondere in “schwierigen Zeiten” ist die Nutzung von Social-Media-Diensten eine ressourcenbindende Massnahme, da alle User auf jedem Kanal nicht nur möglichst rasch informiert werden wollen, sondern – und dies ist ja das Kernthema von Social-Media – an einer aktiven Diskussion teilnehmen wollen.

Social-Media und die grösseren Banken?

Der Trend ist mittlerweile kein Trend mehr – sondern ein weiterer, bereits etablierter Kommunikationskanal, der genau beobachtet werden muss – ob als aktiver oder passiver Teilnehmer. Gute Beispiele sind die SEB Bank und die Deutsche Bank.

SEB Bank Twitter-Account

Social Media bei der Deutschen Bank

Welche Bank nun durch den Einsatz von “Web 2.0″ Technologien und Kommunikationsformen erfolgreicher sein wird oder nicht, steht für mich in den Sternen.

Entscheidend ist schlussendlich immer noch eine gute, zielgruppengerechte Beratung und Dienstleistung, sowie einen fairen, guten und nachvollziehbaren Preis für diese Angebote.

Andererseits ist das Bankengeschäft ein Vertrauensgeschäft. Da sollte man sich die Frage erlauben dürfen, wie ernsthaft Statements wie “Wir sind für Sie da”, “Wir leben Transparenz” oder “Mit uns auf der sicheren Seite” etc. wirklich gemeint sind, wenn die Kommunikation der Banken vielfach keinen öffentlichen Dialog zulässt oder sogar bewusst unterbindet!

Verpasst hier die Mehrheit der Bankinstitute – gerade in der Zeit DER Vertrauenskrise – die Chance, Vertrauen zurück zu gewinnen?

Und was ist nun mit einer Facebook-Bank?

Facebook mit über 400 Millionen Nutzer hat ein grosses Potential. Nebst “Freunde” bzw. persönliche Daten zu sammeln, kann Facebook durchaus auch Geld verschieben. Wieso den nicht? Wieso haben nicht die Banken den Microbilling-Dienst PayPal erfunden oder gekauft, sondern eBay – obwohl doch der Zahlungsverkehr zu einem der Kernprozesse einer Retailbank gehört?

Wenn es Facebook (oder ähnlichen Portalen) gelingt, genügend grosses Vertrauen der Nutzer zu gewinnen und mit kleinen Finanzangeboten – z.B. e-Wallets – eine Nische zu besetzen, ist der W eg zu einem Facebook-Sparkonto vielleicht nicht mehr weit.

Und man stelle sich einmal vor, wie eine “echte” Facebook-Bank-Filiale in einer Stadt aussehen könnte…

Ein Ps.: zum Nachdenken

  • Was stellte Nokia früher her? Handys? Nein…
  • Für was ist Caterpillar in der breiten Öffentlichkeit bekannt? Baumaschinen? Nein…
  • Hat Apple eine breit angelegte Bedürfnis-Analyse erstellt und Kunden befragt bevor sie Millionen in die Entwicklung vom iPhone oder iPad steckten? Nein…
  • War der Ford aus den 70er Jahren ein Erfolg, wo alle Kundenwünsche und Beratermeinungen umgesetzt worden sind? Nein…
  • Mehr Beispiele unter The Blue Ocean Strategy (Bestseller von W. Chan Kim und Renée Mauborgne)

Weiterführende Links zum Thema

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